Wie wird Leder hergestellt? Die 13 Schritte der Lederherstellun
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Leder entsteht nicht einfach durch das Trocknen einer Tierhaut. In einer Gerberei durchläuft die Rohhaut zahlreiche Arbeitsschritte, bevor daraus das strapazierfähige und geschmeidige Material für Polstermöbel, Schuhe, Taschen oder andere Produkte entsteht.
Kurz erklärt: Bei der Lederherstellung wird die Rohhaut zunächst konserviert und gereinigt. Anschließend werden Haare, Fleisch- und Fettreste entfernt und die Haut für die Gerbung vorbereitet. Durch die Gerbung wird die Haut dauerhaft haltbar. Danach folgen unter anderem Sortierung, Falzen, Nachgerbung, Färbung, Fettung, Trocknung und Zurichtung.
Für Polstermöbel ist insbesondere die Qualität und Beschaffenheit des fertigen Leders entscheidend, denn sie beeinflusst Aussehen, Haptik, Strapazierfähigkeit und Pflegeeigenschaften.
Die Lederherstellung im Überblick
Die Herstellung von Leder lässt sich vereinfacht in mehrere Phasen einteilen:
- Lagern und Konservieren
- Weichen und Wasserwerkstatt
- Entfleischen und Spalten
- Äschern
- Beizen, Pickeln und Gerben
- Abwelken
- Sortieren
- Falzen
- Neutralisieren, Füllen, Färben und Fetten
- Trocknen
- Stollen oder Millen
- Zurichten und Imprägnieren
- Kontrolle und Versand
1. Lagern und Konservieren
Direkt nach der Gewinnung muss die Rohhaut vor dem Verderben geschützt werden. Dazu wird sie beispielsweise mit Salz konserviert oder gekühlt gelagert.
Die Konservierung verhindert, dass die Haut bereits vor der weiteren Verarbeitung durch natürliche Zersetzungsprozesse geschädigt wird.
2. Weichen und Wasserwerkstatt
Im nächsten Schritt wird die konservierte Haut wieder auf ihren ursprünglichen Wassergehalt und Quellzustand gebracht.
Beim Weichen werden außerdem Schmutz und andere Verunreinigungen entfernt. Damit wird die Haut für die weiteren Verarbeitungsschritte vorbereitet.
3. Entfleischen und Spalten
Beim Entfleischen werden Fleisch- und Fettreste maschinell von der Innenseite der Haut entfernt.
Anschließend kann die Haut gespalten werden. Dabei wird sie unter anderem in den Narbenspalt, aus dem hochwertiges Oberleder entstehen kann, und den Fleischspalt getrennt.
4. Äschern
Beim Äschern werden die Haare von der Haut entfernt. Gleichzeitig wird ein bestimmter Quellzustand der Haut hergestellt.
In diesem Stadium entsteht die sogenannte Blöße – die für die eigentliche Gerbung vorbereitete Haut.
5. Beizen, Pickeln und Gerben
Nun wird die Rohware weiter gereinigt und auf die Gerbung vorbereitet.
Beim Beizen erfolgt eine weitere Reinigung der Haut. Beim Pickeln wird die Haut mithilfe von Säuren auf die anschließende Gerbung vorbereitet.
Was passiert beim Gerben?
Die Gerbung ist der entscheidende Schritt, bei dem aus der verderblichen Haut ein dauerhaft nutzbares Material entsteht. Gerbstoffe reagieren mit dem Kollagen der Haut und machen die Haut widerstandsfähiger gegen Fäulnis und andere Veränderungen.
Für Polsterleder ist die mineralische Chromgerbung mit Chrom(III) eine verbreitete Methode. Daneben werden auch chromfreie und pflanzliche Gerbverfahren eingesetzt.
Nach der Gerbung entsteht bei der Chromgerbung das sogenannte Wet Blue, das aufgrund seines Gerbstoffzustands eine charakteristische bläuliche Färbung aufweist.
6. Abwelken
Nach der Gerbung enthält die Haut noch viel Wasser. Beim Abwelken wird überschüssiges Wasser mechanisch aus dem Leder herausgepresst.
Dadurch wird das Leder für die folgenden Arbeitsschritte vorbereitet.
7. Sortieren
Nun wird das Leder nach Qualität und späterem Verwendungszweck sortiert.
Dabei können beispielsweise Narben, Flecken und andere natürliche Merkmale der Haut eine Rolle spielen. Gerade bei Leder für hochwertige Polstermöbel ist eine sorgfältige Auswahl wichtig.
8. Falzen
Beim Falzen wird das Leder auf die gewünschte Stärke gebracht.
Die Lederdicke hängt unter anderem davon ab, für welches Produkt und welchen Einsatzzweck das Leder vorgesehen ist.
9. Neutralisieren, Füllen, Färben und Fetten
In dieser Phase erhält das Leder einen großen Teil seiner späteren Eigenschaften.
Neutralisieren
Bei der Neutralisation werden Säurerückstände aus dem Leder entfernt.
Füllen und Nachgerben
Durch die Nachgerbung erhält das Leder mehr Fülle. Gleichzeitig können Eigenschaften wie Weichheit, Dehnbarkeit und das Narbenbild beeinflusst werden.
Färben
Anschließend wird das Leder gefärbt. Je nach gewünschtem Ledertyp und späterer Nutzung kommen unterschiedliche Färbe- und Zurichtungsverfahren zum Einsatz.
Bei transparent gefärbten Ledern bleibt die natürliche Struktur der Haut besonders gut sichtbar.
Fetten
Durch die Fettung erhält das Leder unter anderem Geschmeidigkeit und Elastizität. Gleichzeitig wird es vor dem Austrocknen geschützt.
10. Trocknen
Nach den Nassprozessen muss dem Leder Wasser entzogen werden.
Beim Trocknen verändert sich die Beschaffenheit des Leders. Anschließend sind weitere mechanische Bearbeitungsschritte notwendig, um die gewünschte Weichheit und Haptik zu erreichen.
11. Stollen oder Millen
Nach dem Trocknen kann Leder relativ hart sein.
Beim Stollen oder Millen wird die Faserstruktur mechanisch gelockert. Dadurch wird das Leder wieder weicher und geschmeidiger.
Gerade bei Polsterleder ist eine angenehme Haptik ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
12. Zurichtung und Imprägnierung
Bei der Zurichtung erhält das Leder seine gewünschte Oberflächenoptik und bestimmte Gebrauchseigenschaften.
Je nach Ledertyp können beispielsweise Finish, Pigmentfarben, Prägungen oder weitere Oberflächenbehandlungen eingesetzt werden.
Auch eine Imprägnierung kann Teil dieses Arbeitsschrittes sein. Sie beeinflusst unter anderem die Oberfläche und den Griff des Leders.
13. Kontrolle und Versand
Am Ende steht die Qualitätskontrolle.
Das fertige Leder wird visuell und gegebenenfalls maschinell kontrolliert. Anschließend wird es für den Transport verpackt und an den nächsten Verarbeitungsschritt beziehungsweise Kunden versandt.
Damit ist aus der ursprünglichen Rohhaut ein verarbeitetes Leder entstanden, das beispielsweise als Bezugsmaterial für ein Sofa oder einen Sessel eingesetzt werden kann.
Vom Leder zum Polstermöbel
Für ein Ledersofa endet die Verarbeitung des Materials nicht mit der Herstellung des Leders.
Die fertigen Lederhäute werden zunächst passend zum jeweiligen Möbelmodell ausgewählt und zugeschnitten. Anschließend werden die einzelnen Lederteile vernäht und über das Polstergestell gezogen.
Dabei spielen die Eigenschaften des Leders eine wichtige Rolle. Je nach Lederart können sich Oberfläche, Haptik, Optik, Pflegeaufwand und Alterungsverhalten deutlich unterscheiden.
Wer sich für die Herstellung von Polstermöbeln interessiert, findet im SteBoFo Polstermöbel-Lexikon weitere Informationen zu Materialien, Polsteraufbau und wichtigen Fachbegriffen.
Warum gibt es unterschiedliche Lederarten?
Nicht jedes Leder sieht gleich aus oder fühlt sich gleich an. Die Eigenschaften werden unter anderem durch die verwendete Rohhaut, die Gerbart, die Färbung, die Nachgerbung und die anschließende Zurichtung beeinflusst.
Dadurch entstehen unterschiedliche Lederarten und Oberflächen – von sehr naturbelassenen Ledern bis hin zu stärker pigmentierten und geschützten Oberflächen.
Für Polstermöbel ist deshalb nicht nur die Frage entscheidend, ob ein Sofa aus Leder besteht, sondern auch, welches Leder verwendet wurde und wie es verarbeitet und zugerichtet ist.
Fazit
Die Herstellung von Leder ist ein komplexer Prozess mit vielen einzelnen Arbeitsschritten. Aus der konservierten Rohhaut entsteht durch Reinigung, Vorbereitung, Gerbung, Färbung, Fettung, Trocknung und Zurichtung ein Material, das für unterschiedliche Anwendungen geeignet ist.
Gerade bei Polstermöbeln entscheidet die Kombination aus Rohhaut, Gerbung, Verarbeitung und Zurichtung darüber, wie sich das Leder später anfühlt, aussieht und im Alltag verhält.
Wer ein Ledersofa kauft, sieht am Ende nur die fertige Oberfläche – hinter ihr stehen jedoch zahlreiche Verarbeitungsschritte.
Häufige Fragen zur Lederherstellung
Wie wird aus einer Haut Leder?
Eine Tierhaut wird zunächst konserviert, gereinigt und für die Gerbung vorbereitet. Nach dem Entfernen von Haaren sowie Fleisch- und Fettresten erfolgt die Gerbung. Anschließend wird das Leder unter anderem sortiert, auf die gewünschte Dicke gebracht, gefärbt, gefettet, getrocknet und zugerichtet.
Was ist der wichtigste Schritt bei der Lederherstellung?
Die Gerbung ist der zentrale Schritt, weil dabei die zuvor verderbliche Haut dauerhaft stabilisiert wird. Die weiteren Verarbeitungsschritte bestimmen anschließend maßgeblich die gewünschten Eigenschaften und das Erscheinungsbild des Leders.
Was bedeutet Wet Blue?
„Wet Blue“ bezeichnet Leder nach einer Chromgerbung, das noch nass ist und durch den Gerbstoffzustand eine charakteristische bläuliche Färbung besitzt.
Welche Gerbung wird für Polsterleder verwendet?
Für Polsterleder ist die mineralische Chromgerbung eine verbreitete Gerbart. Es gibt jedoch auch chromfreie und pflanzliche Gerbverfahren. Welches Verfahren eingesetzt wird, hängt unter anderem von den gewünschten Eigenschaften und vom späteren Verwendungszweck ab.
Warum wird Leder gefettet?
Durch die Fettung erhält Leder unter anderem Geschmeidigkeit und Elastizität. Außerdem wird es vor dem Austrocknen geschützt.
Wie lange dauert die Herstellung von Leder?
Die Dauer hängt von Rohhaut, Gerbverfahren und den gewünschten Eigenschaften des fertigen Leders ab. Die Lederherstellung besteht aus zahlreichen Arbeitsschritten und kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
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Flächeneinteilung der Rinderhaut
Nicht jede Stelle einer Rinderhaut ist gleich. Die Haut wird in verschiedene Bereiche eingeteilt, die sich hinsichtlich ihrer Lage und Beschaffenheit unterscheiden. Die Grafik zeigt die wichtigsten Bereiche einer Rinderhaut – darunter Kopf, Schulter, Rücken, Bauch und Schild sowie die verschiedenen Flämen und Klauenbereiche.

Warum ist die Flächeneinteilung wichtig?
Die Lage eines Lederstücks innerhalb der ursprünglichen Haut kann für seine spätere Verwendung relevant sein. Gerade bei Polstermöbeln spielt die Auswahl und Verarbeitung der Lederflächen eine wichtige Rolle für Optik, Haptik und die Eigenschaften des Bezugs.